Interkulturelles Training: Wenn Zusammenarbeit nicht an Skills, sondern an Kultur scheitert
Der Start war vielversprechend: ein kleines Team internationaler Fachkräfte aus dem westasiatischen Raum kommt nach Deutschland, bringt starke Qualifikationen mit und ist hochmotiviert, im neuen Umfeld durchzustarten. Und trotzdem läuft es nicht ganz rund.
Meetings fühlen sich zäh an. Feedback kommt anders an als gedacht. Entscheidungen dauern länger oder werden anders interpretiert. Niemand macht „offensichtlich etwas falsch“ und genau das macht es so schwer greifbar.
Was hier passiert, ist kein fachliches Problem. Es ist ein kulturelles.
Wenn gute Zusammenarbeit an unsichtbaren Unterschieden scheitert
Viele dieser Situationen bleiben zunächst unter der Oberfläche. Ein „zu direktes“ Feedback. Ein „zu zurückhaltendes“ Verhalten im Meeting. Unklare Erwartungen, wer eigentlich Entscheidungen treffen sollte. Das Problem: Alle handeln logisch aber eben nach unterschiedlichen kulturellen Spielregeln. Genau hier setzt interkulturelles Training an.
Der Ansatz: Unterschiede sichtbar und besprechbar machen
In unserem Workshop haben wir gemeinsam mit den Teilnehmenden genau diese unsichtbaren Unterschiede greifbar gemacht. Statt Theorie stand dabei der Arbeitsalltag im Mittelpunkt: konkrete Situationen, echte Herausforderungen, echte Fragen.
Drei Themen sind dabei besonders schnell in den Fokus gerückt:
1. Kommunikation: direkt vs. indirekt
- In Deutschland wird oft sehr klar und direkt kommuniziert: schnell, sachlich, ohne viele Zwischentöne.
- In vielen westasiatischen Kulturen hingegen ist Kommunikation eher kontextbezogen und indirekter.
Was für die eine Seite effizient ist, kann für die andere schnell harsch oder unhöflich wirken. Und umgekehrt wird vorsichtige Kommunikation manchmal als unklar oder ausweichend interpretiert.
2. Feedback: konstruktiv vs. gesichtswahrend
Offenes, kritisches Feedback gehört in deutschen Teams oft zum Alltag.
In anderen Kulturen wird Kritik deutlich vorsichtiger formuliert, oft indirekt oder im privaten Rahmen.
Im Alltag führt das schnell zu Missverständnissen: „Warum ist das so hart formuliert?“
oder „Warum sagt mir das niemand klar?“
3. Entscheidungen: gemeinsam vs. hierarchisch
In Deutschland wird häufig erwartet, dass Mitarbeitende sich aktiv einbringen und Entscheidungen mitgestalten. In stärker hierarchisch geprägten Kulturen kommen Entscheidungen eher von oben.
Das Ergebnis: Die einen wirken „zu passiv“, die anderen „zu fordernd“, obwohl beide Seiten einfach ihrem gewohnten System folgen.
Vom Verstehen ins Handeln
Der entscheidende Schritt war dann der Transfer: Was bedeutet das konkret für den Arbeitsalltag?
Gemeinsam haben wir:
- typische Situationen aus dem Team reflektiert,
- Erwartungen auf beiden Seiten sichtbar gemacht,
- konkrete Kommunikations- und Arbeitsstrategien entwickelt.
Ein besonders wichtiger Faktor: der Raum für offene Fragen.
Viele Themen, die sonst unausgesprochen bleiben, konnten hier endlich adressiert werden.
Ergebnis: Mehr Klarheit, weniger Reibung
Was sich verändert hat, war weniger das Verhalten, sondern vor allem das Verständnis dahinter.
Die Teilnehmenden konnten:
- Kommunikation besser einordnen und anpassen,
- Feedback bewusster geben und annehmen,
- sicherer im Arbeitsalltag agieren.
Im Team insgesamt entstand mehr Klarheit, weniger Missinterpretationen und ein deutlich flüssigeres Miteinander.
Interkulturelle Zusammenarbeit scheitert selten an fehlender Kompetenz. Sondern daran, dass wir unterschiedliche Dinge als „normal“ betrachten, ohne es zu merken.
Interkulturelles Training macht genau das sichtbar und legt damit die Grundlage für etwas, das oft unterschätzt wird: echtes gegenseitiges Verstehen.
